Sonntag, 1. Juli 2007

Der achte Tag, 25.05.07: Die Sehenswürdigkeiten von Damaskus

Damaskus die Perle des Orients, die Stadt von der Dichter aller Jahrhunderte stets in den höchsten Tönen geschwärmt haben, wartet darauf von uns entdeckt zu werden. "Wenn es das Paradies auf Erden gibt, dann gehört Damaskus ohne Zweifel dazu, und wenn das Paradies im Himmel liegt, dann ist Damaskus sein irdisches Gegenstück", schrieb ein Reisender Anfang des 12. Jahrhunderts über diese Stadt.

Die erste Überraschung – unser syrischer Freund ist pünktlich ja sogar ein Viertelstunde vor dem vereinbarten Termin da um uns abzuholen. Von wegen orientalische Unpünktlichkeit! Oder war er schon zu viel mit deutschen Geschäftspartnern zusammen. Er hat Verstärkung mitgebracht. Seine sympathische 18 jährige Tochter Joudi, die ein ausgezeichnetes Englisch spricht. Der Plan: wir fahren mit zwei Autos. Joudi und ihr Vater verteilen sich auf die beiden Fahrzeuge – so ist in jedem Auto für Erklärungen bei der Stadtrundfahrt gesorgt.



Die Pauluskapelle

Erste Station: die Pauluskapelle, an der Paulus eines Nachts von seinen christlichen Helfern in einem Korb aus dem Fenster hinuntergelassen wurde, damit er vor den Juden fliehen konnte. Ein sehr gepflegte kleine Kirche, die an die biblische Geschichte plastisch erinnert. In einer Ecke steht ein großer Weidenkorb, der sagen will: so könnte es doch gewesen sein.

Es ist jetzt gegen 16.30 noch unglaublich heiß und auch der Verkehr bringt einen wieder ins Schwitzen. Hatte ich schon erwähnt dass ich mir das Lenkrad von Carlos geschnappt habe um mich in den Verkehr von Damaskus zu stürzen? Etwa 1,5 Millionen Menschen leben in Damaskus und etwa 1-1,5 Millionen kommen an Werktagen in die Stadt um dort zu arbeiten. Aber da heute Freitag der Feiertag ist, ist die Stadt also halbleer – und der Verkehr der mir so wirr und laut vorkommt nur die Hälfte des Üblichen.



Hinterm Lenkrad

Wie soll das bloß funktionieren wenn sich das Gewühle verdoppelt? Leider hat der Freitag noch einen Nachteil – der Suk ist geschlossen, der berühmte Suk von Damaskus, der allen Reisenden als erstes einfällt wenn sie von den Besonderheiten dieser Stadt erzählen. Das ist doppelt schade, da wir zum einen große Gewürzeinkaufspläne hatten und zum anderen die heutige Tagesaufgabe darin bestand bei einem bestimmten Gewürzhändler im Suk drei Sorten Pfeffer und etwas Curry zu kaufen. Wie soll das gehen, wenn er nicht da ist,die Hitze zwingt uns zum ersten Stopp. Wir fahren in ein christliches Viertel und staunen – die jungen Mädchen laufen so sommerlich bekleidet herum wie bei uns auch - wer arabische Metropolen nur aus dem fernsehen kennt, hat schwarzgekleidete Frauen und Mullahs beim US-Flaggenverbrennen erwartet. Und irgendwie hat das Viertel eine Coolness wie sie in Szenevierteln westlicher Großstädte auch anzutreffen sind – die Häuser sind schick und gepflegt, die Leute gestylt und am Straßenrand parken liebevoll erhaltene Oldtimer. Amerikanische Straßenkreuzer sind besonders beliebt. Bei dem Benzinpreis kein Problem: 40 Cent kostet das Benzin in Syrien – das gab’s bei uns doch auch mal, aber vor wie viel Jahren.
Unser Ziel ist ein ganz spezieller Saftladen, der beste von ganz Damaskus. Wie sich herausstellt ist es der beste Saft der ganzen Welt – man kann sich alle denkbaren frischen Früchte dort pressen lassen – das Beste ist allerdings der Cocktail – ein Mix aus allem was derzeit reif und wohlschmeckend ist. Neben Apfel und Orange kann das Getränk auch Limone, Karotten, Granatapfel oder Karotten enthalten. Die Mischung ist wohl geheim aber eines enthält es nicht Zucker, Gewürze oder andere Zusätze. Dann geht es durch eines der sieben Tore in die Altstadt. In einer der verwinkelten Gassen lassen wir das Auto stehen - wir finden tatsächlich einen Parkplatz! Übrigens im Buch von Rafik Schami „Damaskus. Der Geschmack einer Stadt“ ist ein Spaziergang durch die Altstadt aufgezeichnet. In etwa die gleichen Wege laufen wir jetzt. Vorbei an unzähligen kleinen Geschäften, durch winzige Gassen und treffen schon bald wieder die ersten Rallyeteams. Respekt, es gibt sogar Teams die ganz ohne Führer ins Herz dieser Stadt und zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gefunden haben.

Das größte kam aber gleich noch: der Besuch in der Omariyaden Moschee. Für die beiden Frauen nur durch eine vollständige Körperverhüllung möglich – sie mussten sich einen braunen Kapuzenmantel ausleihen und konnten nur so die Mosche betreten.




Der Innenhof der Omaryiaden Moschee


Der Innenhof gehört für mich zu den schönsten Plätzen der Welt. Der Markusplatz ist auch nicht schlecht, aber dort stören die Tauben und vor allem die Touristen. Man läuft in dem rieseigen Innenhof geschützt von den mächtigen Mauern und Gebäuden der Moschee, unter einem strahlendblauen Himmel, barfuß auf dem glücklicherweise erwärmten Marmorboden und sieht dem friedlichen Treiben der Menschen zu, die alle den ort auf ihre Weise genießen. Sie staunen weil sie das erste Mal hier sind, sie treffen sich und plaudern, sie sitzen auf dem Boden als würden sie campieren und zwischendrin toben Unmengen spielender Kinder. Vielleicht ist es auch die Abendsonne die dem Platz jetzt diese besondere Stimmung und das wunderbare Licht gibt in dem Gebäude, Mosaike und Verzierungen wirklich märchenhaft erscheinen.

Eine echten Märchenerzähler treffen wir dann übrigens auch noch in einem Altstadtcafe in dem sich Touris und Einheimische mixen. Er sitzt auf einem Stuhl hoch erhoben oder erhaben und sieht freilich sehr komisch aus. Manchmal liest er mit erhobenem Zeigefinger, manchmal säuselt er und zum Schrecken der Zuhörer, vor allem der Kinder, zieht er an manchen Stellen ein riesiges Schwert heraus und rollt sehr drohend mit den Augen.



Märchenerzähler in einem Altstadtcafé

Übrigens ich weiß jetzt auch noch dass es neben dem Beruf des Wasserträgers (im Radsport) den des Kohleträgers (in Damaskus) gibt. Das ist ein Mann der mit einem eisernen feuerfesten Töpfchen durch das Café geht und die Wasserpfeifen befeuert!
In dem kleinen Altstadtcafe rauchen wir endlich die erste Wasserpfeife dieses Urlaubs und bestimmt nicht die letzte unseres lebend. Es ist einfach zu gut – obwohl unsere syrischen Freunde sagen, es sei 30-mal schädlicher als Zigarettenrauch. Kann man sich kaum vorstellen schließlich wird der überaus feuchte Tabak beim Wasserpfeife rauchen nicht verbrannt sondern die von den glühenden Kohlen ausgehende Hitze zieht durch ihn hindurch nimmt die Geschmacksstoffe mit und kommt wunderbar weich in der Lunge an. Es schmeckt nach Apfel! Ok, vielleicht wirkt das bisschen Nikotin dann doch – denn man fühlt sich verdammt heiter, sehr entspannt und irgendwie zu weiteren Genüssen bereit.

Die kommen dann beim Abendessen – sieht ganz so aus als hätten uns unser Gastgeber in eines der besten Restaurants der Altstadt geführt. Ein christliches Restaurant wohlgemerkt, denn hier gibt es ohne Umschweife Alkohol zum Essen, ein offenbar schmackhaftes syrisches Bier und für mich Arak ein Getränk das mit Raki, Ouzo oder Pernod verwandt ist. Klasse!



Gelage in Damaskus

Wer in Syrien isst darf auf die Vorspeisen nicht verzichten. Das Essen fängt erst gelinde mit ein paar Schälchen an, steigert sich dann aber im Viertelstundentakt und artet dann - wie es Helmut ganz richtig sagte - in ein regelrechtes Gelage aus. Ich weiß nicht was wir alles gegessen haben, aber das was ich noch weiß kann ich gerne erzählen: Hummus (Kichererbsenpüree), Tabbule (ein Petersiliensalat mit Weizengrütze), Baba Ghanush (pürierte, gebackene Auberginen), Mutabbal (Aubergine püriert mit Joghurt). Absolut lecker ist Fattush, ein gemischter Salat mit grünem Salat, Tomaten, Gurken und knusprigen gerösteten Stücken vom Fladenbrot. Aber das ist vielleicht nur ein Viertel der Speisen die wir gegessen haben.

Als wir gegen Mitternacht nach Hause gehen ist es sehr still. Nicht weil wir am verdauen sind. Damaskus, die große syrische Metropole kennt kein Nachtleben und schläft schon – fast.

Kommentare:

Susanne hat gesagt…

Hab so den Eindruck, dass dies der erste Tag ist, den Ihr alle so richtig genossen habt.
Nur dass es am Freitag keine Gewürze gab, ist super schade. Der Markt wäre bestimmt ein tolles Erlebnis gewesen. (Ich schnupper mich nämlich auch bei jedem Gewürzstand durch.)

Bei Deinen Beschreibungen vom Abendessen kriege ich einfach Hunger :-)

Bernd hat gesagt…

Das war der sozusagen der erste richtige Urlaubstag!

Rodrigo hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.